Tagebuch

PEM-Elektrolyse-Stack mit Peripherie © AVX/Kumatec Hydrogen 2021

1. März 2021 - Innovative Wärmeversorgung mit Wasserstoff - H2-Well startet Demonstrationsprojekt PEM4Heat

 

Im Rathaus der südthüringischen Kreisstadt Sonneberg soll die Wärmeversorgung in naher Zukunft mit lokalem Wasserstoff realisiert werden. Das ist das Ziel des unter dem Dach der WIR!-Bündnisinitiative H2-Well vom BMBF geförderten Demonstrationsvorhabens PEM4Heat.

In dem zum 1. März gestarteten Projekt werden neue Komponenten und Konzepte für die dezentrale Erzeugung von Wasserstoff, die Verdichtung und die effiziente Nutzung des Gases im Wärmesektor erprobt. Im Zentrum der technischen Entwicklungsarbeiten stehen ein Proton-Exchange-Membrane-(PEM)-Hochdruckelektrolyse-Stack, ein innovativer H2-Hochdruckverdichter sowie ein Wasserstoff-Sauerstoff-Kreislaufmotor, deren Wärmeauskopplung mit einer Standard Brennstoffzelle verglichen werden soll. Durch neu konzipierte Programme zur Aus- und Weiterbildung von H2-Fachkräften soll die notwendige Expertise für die angestrebte Markteinführung der Innovationen in der Region aufgebaut werden.

„Wasserstoff ist der ideale Energieträger für eine CO2-neutrale Energieversorgung und kann somit wesentlich zum Gelingen der Energiewende beitragen. Nur durch eine konsequente Forcierung der Wasserstoff-Technologien können die langfristigen Klimaziele erreicht werden. PEM4Heat ist dabei einer von vielen Schritten, die uns diesem Ziel näherbringen,“ erläutert Uwe Eckardt, Projektleiter beim Sonneberger Elektrolyseur-Hersteller AVX/Kumatec Hydrogen, der das Projektkonsortium anführt. An PEM4Heat beteiligen sich insgesamt fünf wissenschaftliche und industrielle Partner aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen sowie die Stadtverwaltung und die Staatliche Berufsbildende Schule Sonneberg.

Wasserstoffverdichtung auf hohem Druckniveau: 300 bar Elektrolyse und 1.000 bar Kompression

Mit der Neuentwicklung eines PEM-Hochdruckelektrolyse-Stack strebt Konsortialführer AVX/Kumatec Hydrogen an, den Ausgangsdruck des in der Elektrolyse erzeugten Wasserstoffs auf bis zu 300 bar zu erhöhen. Dadurch kann Energie im Verdichtungsprozess – Wasserstoff bedarf aufgrund der geringen Dichte des Gases für Transport und Anwendung der Kompression – eingespart werden. Gleichzeitig arbeitet AVX/Kumatec Hydrogen an einem neuartigen H2-Verdichter, der Wasserstoff von 40 auf 1.000 bar effizient komprimiert und zum Beispiel bei der Betankung von Brennstoffzellenfahrzeugen eingesetzt werden könnte. Die TU Chemnitz trägt durch die experimentelle Erforschung von Metallmembranen zu diesem innovativen Verdichtungskonzept bei.

Verbrennung ohne Abgase – der Wasserstoff-Sauerstoff-Kreislaufmotor

Verantwortlich für die Entwicklung und Kopplung des Wasserstoff-Sauerstoff-Kreislaufmotors mit einem BHKW ist das WTZ Roßlau. Dank des hohen Ausgangsdrucks der Elektrolyse können H2 und O2 im Kreislaufmotor emissionsfrei in Elektrizität und Wärme umgewandelt werden. In PEM4Heat gilt es, das Prinzip im Zusammenspiel mit der Gebäudebeheizung zu erproben. Das IAB Weimar vergleicht dazu die im Projekt gewonnenen Leistungsdaten des Kreislaufmotor-BHKWs mit einer konventionellen Brennstoffzellen-Blockheizung und untersucht die Effekte der Prozesswärmeauskopplung aus der PEM-Elektrolyse. Die ISLE Steuerungstechnik und Leistungselektronik GmbH aus Ilmenau entwickelt die übergeordnete Steuerung und Regelung der energetischen Prozesse.

Wasserstoff für die nachhaltige Zukunft der Region

Die Stadtverwaltung Sonneberg begleitet die Umsetzung der Anlagen in PEM4Heat vor Ort und informiert die Öffentlichkeit über die innovativen H2-Technologien, die im Projekt Anwendung finden. Dabei steht das Potenzial der Wasserstoffwirtschaft für die Region im Vordergrund. Für dessen Realisierung ist nicht allein die Infrastruktur ausschlaggebend, sondern auch Fachkräfte die sich mit der Technik auskennen. Deshalb setzt die Staatliche Berufsbildende Schule Sonneberg auf das neue Berufsbild H2-Techniker und entwickelt in PEM4Heat entsprechende Aus- und Weiterbildungsprogramme. So sollen die Inhalte der Wasserstofftechnologie für die Auszubildenden zunächst in vier Berufen als Module in den theoretischen Unterricht eingebaut werden.

Über H2-Well

Die Bündnisinitiative H2-Well Wasserstoffquell- und Wertschöpfungsregion Main-Elbe-LINK wird im Rahmen des WIR!-Programms („Wandel durch Innovation in der Region“) durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. In H2-Well versammeln sich mehr als vierzig Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft mit dem Ziel, eine dezentrale Wasserstoffwirtschaft in der Bündnisregion zwischen Main und Elbe zu etablieren. An den Ausgangspunkten der Initiative, in Sonneberg und in Apolda, erproben die Partner in den Demonstrationsprojekten PEM4Heat und h2well-compact innovative H2-Komponenten, die integral für den Ausbau dezentraler Wasserstoffinfrastrukturen zur Erzeugung und Anwendung von Wasserstoff in Industrie, Wärme und Mobilität sind. Die Bauhaus-Universität Weimar ist für die wissenschaftliche Koordination der Aktivitäten in H2-Well verantwortlich.  

Copyright - Foto: Guido Werner / Wasserwerke Sonneberg

22. Februar 2021 - Vier Fragen an Bernd Hubner, Leiter der Wasserwerke Sonneberg und Vorsitzender des HySON e.V.

 

Die H2-Well Interviewserie, in der Bündnispartner auf mindestens vier Fragen zu H2-Well und Themen der Wasserstoffwirtschaft antworten, geht in die zweite Runde. Diesmal im Gespräch ist Bernd Hubner, Leiter der Wasserwerke Sonneberg und Vorsitzender des HySON-Förderverein Institut für Angewandte Wasserstoffforschung Sonneberg e. V.

Herr Hubner, Sie stehen dem HySON-Förderverein Institut für Angewandte Wasserstoffforschung Sonneberg e. V. vor, der Teil des H2-Well Konsortiums ist. Können Sie uns erläutern, welche Ziele der Verein verfolgt und wie der Verein die Aktivitäten in H2-Well unterstützt?

Der Impuls für die Gründung des Vereins gab das HYPOS-Projekt LocalHy, an dem die Wasserwerke Sonneberg und weitere Akteure aus der Region beteiligt waren. Am Ende des Projekts stand die Erkenntnis, dass es noch viel Arbeit bedarf bis die auf den Weg gebrachten Wasserstoffinnovationen tatsächlich Anwendung in der Gesellschaft finden. Die Brücke zur Anwendung zu schließen, das war und ist das Ansinnen der Akteure, die sich im Sonneberger HySON e.V. zusammengeschlossen haben. Wir wollen anwendungsnahe Forschung sowie Aus- und Fortbildung auf dem Gebiet der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie voranbringen. Künftig geschieht das auch unter dem Dach einer gemeinnützigen GmbH, während der Verein als Träger weiterhin das Ziel verfolgt, die ökologische und soziale Bedeutung der H2-Wirtschaft für die Gesellschaft aufzuzeigen, Akteure sowie deren Know-How zusammenzubringen und zu vernetzen. Zwischen den Zielen des HySONs und dem Vorhaben Innovationsmanagement in H2-Well, das unser Verein leitet, besteht daher ein hoher Deckungsgrad. Im Rahmen des Innovationsmanagements übernehmen wir Teile der Öffentlichkeitsarbeit, begleiten die Innovationsentwicklung in den einzelnen H2-Well Demonstrationsprojekten und unterstützen die Bündnispartner bei diesem Prozess, z.B. durch Innovationscoachings. Ein hohes Maß an Innovationskultur im Bündnis zu etablieren, das ist das Ziel des Innovationsmanagements in H2-Well.

Aus Sicht des Innovationsmanagements, wo sehen Sie besonderen Innovationsbedarf in der H2-Well Bündnisregion, die Thüringen, Teile Sachsens, Sachsen-Anhalts und die Region Oberfranken umfasst? Inwiefern kann die Wasserstoffwirtschaft neue Impulse für die Region setzen?

Der übergeordnete Gedanke des WIR!-Programms durch das H2-Well gefördert wird, ist es, wie der Name bereits sagt „Wandel durch Innovation“ zu gestalten. Diesen Prozess nach außen, der Gesellschaft, zu vermitteln und den Beitrag den H2-Innovationen hierbei leisten können aufzuzeigen, das sehe ich als unsere Aufgabe und Herausforderung in H2-Well. Um die großen Umwälzungen unserer Zeit zu meistern und den Wandel tatsächlich zu vollziehen, müssen die Menschen in der Region mitgenommen werden. Der Impuls der von der Wasserstoffwirtschaft ausgehen kann ist, dass wir angesichts der klimaökologischen sowie strukturellen Probleme nicht verzagen müssen, sondern mit den innovativen Ansätzen in der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie nachhaltige und ganzheitliche Lösungen schaffen können.

Was bietet das Innovationsmanagement Unternehmen in der Region an?

Erstens schaffen wir durch unsere Öffentlichkeitsarbeit, durch die Durchführung von Vernetzungsveranstaltungen und die Herausbildung eines H2-Well Markengedankens mit klarem Corporate Design einen Identifikationspunkt für Unternehmen, die sich die Wasserstoffwirtschaft auf die Fahne geschrieben haben und sich aktiv am Aufbau einer H2-Wertschöpfungskette in der Region beteiligen wollen. Zweitens helfen wir Partner Hürden beim Innovationsprozess zu überwinden. Viele Unternehmen wollen innovativ tätig sein, jedoch bei der Entwicklung eines neuen Produkts oder Verfahrens läuft nicht immer alles glatt, technologische Schnittstellen und Zulieferer- und Vertriebsketten sind zum Beispiel selten von Anfang an klar definiert. Wir können Partnern bei Problemen schnell Abhilfe schaffen, indem wir Expertise und Know-How aus dem H2-Well Netzwerk vermitteln. Zu guter Letzt stehen wir bereit, wenn es am Ende der H2-Well Demonstrationsprojekte bei den Bündnispartnern darum geht, die Ergebnisse in tatsächliche Produktanwendungen zu überführen und zu vermarkten. Hier beraten wir zur patentrechtlichen Sicherung von Innovationen und führen für die Partner Patentrecherchen durch.

Welchen Stellenwert nimmt Wasserstoff bei der Entwicklung von Innovationen in Ihrer angestammten Branche, der Wasserwirtschaft, ein?

Die Wasserwirtschaft ist ein sehr energieintensiver Wirtschaftszweig, vor allem die Abwasserbehandlung ist ressourcenintensiv. Unser Ziel bei den Wasserwerken Sonneberg ist es zunehmend klimaneutral zu werden. Dabei kann grüner Wasserstoff eine große Rolle spielen, als Erdgas-Redundanz oder auch als alternativer Treibstoff in der betrieblichen Mobilität. Grauer Wasserstoff wird in geringen Mengen in der Trinkwasseraufbereitung eingesetzt, eine konsequente Substitution durch grünen Wasserstoff kann einen Beitrag zur Reduzierung von Emissionen leisten. Den innovativsten Ansatz zur Anwendung von grünem Wasserstoff sehe ich allerdings in der Abwasserreinigung. Die sogenannte vierte Reinigungsstufe, in der Reststoffe, wie z.B. Medikamenten, durch Ozonierung im Abwasser beseitigt werden ist aufwändig und wird aufgrund der hohen Kosten derzeit kaum durchgeführt. Hier böte die Erzeugung von Wasserstoff im Elektrolyse-Verfahren ein interessantes Geschäftsmodell, bei dem der anfallende Sauerstoff kostengünstig als Ozon aufbereitet in der vierten Reinigungsstufe genutzt und der Wasserstoff verkauft werden könnte. Somit könnte die Qualität des Abwassers nachhaltig und wirtschaftlich zugleich erhöht werden. Zumal die niedrigen Flusspegel in den aufgrund des Klimawandels immer trockener werdenden Sommermonaten eine ökologische Herausforderung für die Abwasserbehandlung darstellen.

5. Januar 2021 - H2-Well startet Interviewserie mit Bündnispartnern

 

H2-Well läutet den Jahreswechsel mit einer neuen Interviewserie ein. Die Partner des WIR!-Bündnisses werden im Rahmen regelmäßig erscheinender Interviews einen näheren Einblick in ihr Engagement bei H2-Well und ihre Einschätzung zur Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft in der Bündnisregion und darüber hinaus, geben. Den Auftakt macht Prof. Dr. Mark Jentsch von der Professur Energiesysteme der Bauhaus-Universität Weimar.

Prof. Jentsch zeichnet sich als wissenschaftlicher Koordinator des H2-Well Bündnisses unter anderem für die strategische Fortschreibung des der Initiative zugrundeliegenden Konzepts der dezentralen Wasserstoffwirtschaft verantwortlich. Im Interview erläutert er das Konzept und die Rolle der Bauhaus-Universität Weimar im Verbund der H2-Well Partner.

Prof. Jentsch, Sie arbeiten am Institut für zukunftsweisende Infrastruktursysteme der Bauhaus-Universität Weimar und haben das WIR!-Bündnis H2-Well mit ins Leben gerufen. Welcher Gedanke stand am Anfang der Initiative und warum braucht es ein Bündnis wie H2-Well?

Die erste Idee zu H2-Well ist zu einem Zeitpunkt entstanden, als das Thema Wasserstoff noch nicht in aller Munde war. Im Gegenteil, am Anfang stand unter den Bündnispartnern die Feststellung, dass trotz des nachgewiesenen Potenzials der H2- und Brennstoffzellentechnologie für eine treibhausgasneutrale Zukunft zu wenig geschieht, um die Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft voranzutreiben. Für uns und unsere Partner, zumeist KMU, die schon lange im Bereich Wasserstoff aktiv sind, war damit klar, dass der Anstoß für einen wasserstoffinduzierten Strukturwandel von unten, aus den Regionen, kommen muss. Unser Ziel in H2-Well ist es, der Wasserstoffwirtschaft zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen, indem wir in einem Bottom-up-Ansatz Kompetenzen bündeln und gemeinsam wegweisende Projekte an den beiden Ausgangspunkten der Initiative, Sonneberg und Apolda, umsetzen. Auf diese Weise wollen wir in der H2-Well-Region zwischen Main und Elbe Fakten schaffen und zeigen, dass mit Wasserstoff klimaschädliche Emissionen z.B. in der Mobilität und in der Wärmeversorgung signifikant gesenkt werden können. Genau an diesen beiden Punkten werden wir daher auch mit zwei F&E-Projekten in Apolda und Sonneberg ansetzen.

Welche Rolle nimmt die Bauhaus-Universität im Bündnis ein?

Das Bauhaus-Institut für zukunftsweisende Infrastruktursysteme (b.is), an dem die Professur Energiesysteme angesiedelt ist, forscht an der nachhaltigen Transformation von Infrastrukturen der Bereiche Abfall, Wasser, Verkehr und Energie, deren intelligente Verknüpfung im Sinne der Sektorenkopplung zu einem geringeren Ressourcen- und Energieeinsatz beitragen kann. Wir arbeiten am b.is transdisziplinär an diesen Zukunftsfragen und auch H2-Well ist von diesem Prinzip geprägt: sektorenübergreifende Lösungen umzusetzen, die über das Element grüner Wasserstoff verbunden sind und zu mehr Nachhaltigkeit beitragen. In H2-Well sind wir für die wissenschaftliche Koordination der Bündnispartner und deren Projekte verantwortlich. Zudem betreuen wir die strategische Fortschreibung des WIR!-Konzepts, das der Initiative zugrunde liegt und auf dessen Basis wir eine dezentrale grüne Wasserstoffwirtschaft in der Region etablieren wollen. Außerdem partizipieren wir an einem F&E-Projekt zur Entwicklung eines kompakten Wasserstoffversorgungssystems in Apolda, während sich die Professur Verkehrssystemplanung am b.is aktiv in Untersuchungen zum Markthochlauf einbringt.

Was bedeutet dezentral im Kontext der Wasserstoffwirtschaft? Worin sehen Sie das besondere Potenzial von dezentralen H2-Infrastrukturen?

Der Ansatz der dezentralen Wasserstoffwirtschaft setzt auf eine flächenwirksame Umsetzung von Wasserstoffinfrastrukturen, von der Unternehmen und Endverbraucher in den Regionen, Landkreisen und Kommunen profitieren. Das heißt, dass die Wertschöpfungskette H2-Systeme umfasst, mit denen Wasserstoff vor Ort mittels erneuerbaren Energien im Elektrolyse-Verfahren „grün“ erzeugt und lokal Anwendungen in der Mobilität, Industrie, Elektrizitätsnetzstabilisierung oder Wärmeversorgung zugeführt wird. Dies lässt sich gut in kleinen, dezentralen Strukturen realisieren. Dadurch werden Potenziale in der lokalen Wertschöpfung freigesetzt und die Energiewende aus den Regionen heraus vorangetrieben, da die örtlichen Voraussetzungen für die Sektorenkopplung besser berücksichtigt werden können.

Welche Maßnahmen müssten aus Ihrer Sicht als Nächstes umgesetzt werden, um eine Wasserstoffinfrastruktur mit Zukunft in Deutschland zu verwirklichen?

Im Sinne meiner vorangegangenen Ausführungen sollte der Fokus beim Thema Wasserstoff vermehrt auf die lokalen und regionalen Potenziale in Deutschland gelegt werden, statt, wie in der aktuellen Diskussion, vornehmlich auf den Import von grünem Wasserstoff und den H2-Bedarf der Industrie. Es gilt, Anreize für die Errichtung von Elektrolyse-Anlagen zu schaffen, auch für KMU, und die Entwicklung von ganzheitlichen Konzepten zur Wasserstoffversorgung auf der kommunalen Ebene zu fördern. Hierfür müssen auch Anpassungen auf der regulativen Ebene erfolgen, um z.B. den Strom für die Elektrolyse günstiger zu machen. Deutschland sollte nicht nur bei der Entwicklung der Technologie Vorreiter sein, sondern auch beim Markthochlauf Standards setzen.

 

20. Juli 2020 – H2-Well Vorhaben zur Erprobung regionaler Wasserstofflösungen nehmen Gestalt an

Die dezentrale Erzeugung von grünem Wasserstoff und dessen Nutzung für Energie, Mobilität und Wärme sollen in Apolda und Sonneberg nach Plänen der H2-Well Bündnispartner in naher Zukunft Wirklichkeit werden.

Im Januar 2020 startete die Umsetzungsphase des Verbundvorhabens H2-Well Wasserstoffquell- und Wertschöpfungsregion Main-Elbe-LINK. Während der nächsten drei Jahre werden aufbauend auf dem H2-Well Innovationskonzept verschiedene Ansätze für eine dezentral organisierte Wasserstoffwirtschaft erprobt. Die Konzepte für zwei in Apolda und Sonneberg geplante Demonstrationsvorhaben sowie für die Gestaltung des Markthochlaufs haben die H2-Well Partner aus Industrie, Wirtschaft und Wissenschaft nun vorgelegt.  

In Apolda ist die intelligente Verknüpfung von dezentraler Wasserstofferzeugung und kombinierter Auslieferung und Verdichtung, z.B. für Betankungszwecke, geplant. Lokal an einer Kleinwasserkraftanlage erzeugter Wasserstoff soll über einen neuartigen, mit einem Verdichter ausgerüsteten Trailer ausgeliefert werden, um Abnehmern die Einsparung teurer Kompressionsanlagen zu ermöglichen. Geprüft wird das Prinzip anhand einer ebenfalls im Vorhaben entwickelten Kompakttankstelle, deren Speicherkapazitäten die Betankung von Brennstoffzellenfahrzeugen ohne zusätzliche Kompression des Wasserstoffs erlaubt. Den Beitrag des Projekts zur regionalen Wasserstoffwirtschaft und deren Potenzial für eine sektorenübergreifende Energiewende soll eine öffentliche Pop-up-Ausstellung veranschaulichen. Das Demonstrationsprojekt in Sonneberg widmet sich der Kopplung von Wasserstofferzeugung, Wärmeversorgung und Mobilität. Im Fokus steht die Realisierung eines innovativen PEM-Hochdruckelektrolyseurs, der sowohl H2 und O2 für ein mit einem weiterentwickelten Wasserstoff-Sauerstoff-Kreislaufmotor betriebenes Blockheizkraftwerk als auch für Flurförderfahrzeuge bereitstellen soll. Die technische Realisierung des Systems ist jedoch nur ein Baustein. Für die nachhaltige Etablierung der Wasserstoffwirtschaft in der Region bedarf es gut ausgebildeter Fachkräfte. In Zusammenarbeit mit der Berufsschule Sonneberg wollen die Partner daher ein speziell auf die Wasserstofftechnologie ausgerichtetes Aus- und Weiterbildungsprogramm aufsetzen. Eine Marktbeobachtungsstudie soll zudem mögliche Verwertungspfade für die in den beiden Projekten entwickelten Innovationen eruieren.

Die Pläne für die Demonstrationsvorhaben in Apolda und Sonneberg sowie für das Vorhaben zum Markthochlauf wurden vom wissenschaftlichen Beirat der H2-Well Initiative begutachtet und sollen nun beim Projektträger zur Prüfung eingereicht werden. Ab 2021 steht dann die schrittweise Entwicklung und Umsetzung der Projekte mit den jeweiligen Partnern vor Ort an.

20. März 2019 – H2-Well vom BMBF zur Förderung ausgewählt

Die Initiative H2-Well ist eines von 20 Bündnissen, die im Rahmen des Förderprogramms Wandel durch Innovation in der Region - WIR! zur Umsetzung ausgewählt wurden

Am 14. März hat ein Team  bestehend aus Dr. Joachim Löffler (AVX/Kumatec GmbH & Co. KG), Dr. Christian Reiser (WTZ Roßlau GgmbH), Dr. Sabine Schmidt (SolarInput e.V.), Prof. Dr. Mark Jentsch (Bauhaus-Universität Weimar) und Dr. Heiko Voigt (Bürgermeister der Stadt Sonneberg) das Innovationskonzept des WIR!-Bündnisses H2-Well vor einer Auswahljury im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin präsentiert (siehe Bild). Das Ziel und die Strategie zwischen Main und Elbe bis 2025 eine regionale, grüne Wasserstoffwirtschaft umzusetzen, haben überzeugt, denn am 20. März wurde das Bündnis darüber informiert, dass es für die Umsetzung seiner Ideen eine Bundesförderung erhält. In den nächsten Monaten wird das Bündnis damit beginnen, einen Bündnis-Hub einzusetzen und mit ersten Informationsangeboten an die Öffentlichkeit gehen. Ab Ende 2019 / Anfang 2020 werden dann erste Forschungs- und  Entwicklungsprojekte beginnen mit dem Ziel, Elemente der Wasserstoffwirtschaft in Sonneberg und Apolda umzusetzen und der Öffentlichkeit zu präsentieren.

04. Februar 2019: Wasserstoffzug-Testfahrt in Thüringen

Mitglieder des WIR!-Konsortiums H2-Well präsentieren Machbarkeitsstudie zum Einsatz von Wasserstoff-Brennstoffzellen-Triebwagen in Thüringen auf einer Testfahrt im Schwarzatal

Im Auftrag des Thüringer Ministeriums für Umwelt, Energie und Naturschutz untersuchten Wissenschaftler der Bauhaus-Universität Weimar Thüringer Bahnstrecken auf Ihre Eignung für den Einsatz von Wasserstoffzügen. Besonders geeignet für ein Pilotprojekt ist die Bahnstrecke von Rottenbach nach Katzhütte. Im Beisein des Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow und der Umweltministerin Anja Siegesmund präsentierten Prof. Dr. Uwe Plank‐Wiedenbeck, Prof. Dr. Mark Jentsch und Prof. Dr. Frank Lademann am 4. Februar 2019 die Ergebnisse ihrer Machbarkeitsstudie bei einer Wasserstoffzug-Testfahrt im Schwarzatal. Die Studie belegt, dass mit dem Modellbetrieb einer zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien betriebenen Bahnstrecke jährlich hunderte Tonnen CO2 eingespart werden könnten. Daher empfehlen die Weimarer Gutachter eine vollständig klimaneutrale Wasserstoffversorgung und -logistik zu erproben, wofür Wasserelektrolyseanalgen an bestehenden Windparks gebaut werden sollen. Dies wäre das weltweit erste Projekt dieser Art und soll zur strategischen Umsetzung des WIR!-Konzeptes des Bündnisses H2-Well beitragen. Eine Inbetriebnahme von Wasserstoffzügen auf der Bahnstrecke Rottenbach - Katzhütte könnte nach Einschätzung von Umweltministerin Siegesmund bereits zum Fahrplanwechsel 2021 erfolgen. Hierdurch entstehen vielfältige Synergien mit den geplanten Projekten des Bündnisses H2-Well.

31. Oktober 2018: WIR!-Konzept eingereicht

Das WIR!-Konsortium H2-Well hat sein Innovationskonzept für die Wasserstoffquell- und Wertschöpfungsregion Main-Elbe-Link beim Projektträger eingereicht

Nach 7 Monaten konzeptioneller Arbeit, die vor allem der Entwicklung des Bündnisses und seiner Innovationsziele diente, wurde Ende Oktober das vom Fördermittelgeber geforderte H2-Well-Innovationskonzept fertiggestellt und beim Projektträger vorgelegt. In diesem Zeitraum wurden von den 3 koordinierenden Bündnispartnern 37 weitere aktiv am Konsortium mitwirkende Partner akquiriert. Zudem konnte Unterstützung aus den angeschlossenen Metropolregionen und der Landespolitik gesichert werden. Das Konsortium blickt zurück auf viele fruchtbare Meetings und Diskussionen zwischen den Beteiligten sowie Akteursworkshops in Sonneberg, Apolda und Coburg. Der Prozess der Konzeptfindung hat zur Formulierung von 9 Aktionsthemen geführt, die die Bündnispartner in den folgenden Jahren gemeinsam umsetzen möchten.

13. September 2018: HySON Vereinsgründung

In Sonneberg wird der Förderverein Institut für Angewandte Wasserstoffforschung  Sonneberg e.V. (HySON) gegründet

Auf Initiative von Akteuren des Konsortiums H2-Well wurde im September 2018 der Verein HySON e.V. in Sonneberg gegründet. Dieser hat den Vereinszweck, die Anwendung von Wasserstofftechnologien, Wasserstoffsystemen und den dazugehörigen Infrastruktursystemen zu fördern. Zum Vorsitzenden des Vorstandes wurde Bernd Hubner von den Wasserwerken Sonneberg gewählt, mit den beiden Stellvertretern Dr. Joachim Löffler von der AVX/Kumatec Hydrogen GmbH & Co. KG und Dr. Ulrich Palzer vom Institut für angewandte Bauforschung Weimar gGmbH. Den Vorsitz des wissenschaftlichen Beirates übernahm Prof. Dr. Mark Jentsch von der Bauhaus-Universität Weimar mit dem Stellvertreter Prof. Dr. Tobias Reimann von der isle Steuerungstechnik und Leistungselektronik GmbH. Der HySON e.V. ist ein weiterer Baustein, um Wassersstofftechnologien dauerhaft in der Region zu etablieren. Er ergänzt hiermit das Bündnis H2-Well auf dem Weg, eine sich selbst tragende Entwicklung zur regionalen Wasserstoffwirtschaft zu etablieren.

12. September 2018: H2-Well Workshop in Coburg

Workshop mit Unternehmen, Kommunen und Verbänden aus Oberfranken zu den Potenzialen der regionalen Wasserstoffwirtschaft

Der Workshop mit dem Titel „H2-Well und die Region Coburg“ fand im Kongresshaus Rosengarten in Coburg statt und wurde durch den H2-Well Bündnispartner Coburg Stadt und Land aktiv GmbH organisiert. Ziel des Workshops war es, eine länderübergreifende Kommunikationsplattform zu Wasserstoffthemen zwischen Südthüringen und Oberfranken zu schaffen und das Bündnis um Partner aus dem fränkischen Raum zu ergänzen. Die Initiatoren des H2-Well Bündnisses Dr. Joachim Löffler von der AVX/Kumatec Hydrogen GmbH & Co. KG, Prof. Dr. Mark Jentsch von der Bauhaus-Universität Weimar und Dr. Sabine Schmidt vom SolarInput e.V. stellten den teilnehmenden Vertretern von Unternehmen, Kommunen und Verbänden das H2-Well Konzept vor und erläuterten die Potenziale von Wasserstofftechnologien zur regionalen Wertschöpfung. In der darauffolgenden Diskussion wurden Synergien ausgelotet, um das Thema in der Region zwischen Sonneberg und Coburg zu etablieren.

31. August 2018: H2-Well Gruppenworkshops in Apolda

Finalisierung von Umsetzungsthemen der Initiative H2-Well in 7 Arbeitsgruppen

Der Workshop mit über 60 Teilnehmern im Hotel am Schloß in Apolda hat die seit der Auftaktveranstaltung im Mai 2018 akquirierten H2-Well Bündnispartner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zusammengebracht. Ziel war es, die gemeinsamen Innovationsziele zu schärfen und zusammen identifizierte Umsetzungsthemen inhaltlich auszugestalten. Aufbauend auf den Diskussionsergebnissen der Auftaktveranstaltung in Sonneberg wurden hierzu in 7 Arbeitsgruppen unterschiedliche Themenbereiche zur Realisierung der Vision einer dezentralen Wasserstoffwirtschaft besprochen. Im Ergebnis sind hieraus 9 Aktionsthemen für die spätere Umsetzung entstanden. Im Rahmen der Gruppenworkshops wurde noch einmal die Innovationskraft der Region zwischen Main und Elbe deutlich, die ganz wesentlich durch die Begeisterung der Akteure für Wasserstofftechnologien getragen wird. Die Arbeitsgruppen lieferten demnach auch wichtige Inhalte für die Formulierung der Strategie zur Umsetzung der Wasserstoffquell- und Wertschöpfungsregion zwischen Main und Elbe.

17. Mai 2018: H2-Well Auftaktveranstaltung in Sonneberg

Die Initiative H2-Well im Bundesprogramm "WIR! – Wandel durch Innovation in der Region" beginnt mit der Arbeit

80 Akteure aus Wirtschaft und Wissenschaft sowie von Kommunen und Verbänden sind der Einladung der koordinierenden Bündnispartner der Initiative H2-Well zum Auftakt ins Schloßberghotel nach Sonneberg gefolgt. Die Veranstaltung wurde eröffnet mit Grußworten von Hans-Peter Hiepe, Referatsleiter im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und Dr. Bernd Ebersold, Abteilungsleiter im Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft (TMWWDG). Andreas Krey, Geschäftsführer der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen sowie die Bürgermeister der Städte Sonneberg und Apolda, Dr. Heiko Voigt und Rüdiger Eisenbrand lieferten mit ihren Statements aus der Region ein klares Bekenntnis zu ihrer Unterstützung für Innovationen im Rahmen einer regional verankerten Wasserstoffwirtschaft. Prof. Dr. Michael Sterner von der OTH Regensburg stellte mit seinem Impulsvortrag eine Einordnung des Energiespeichers Wasserstoff als Baustein des global erforderlichen Wandels hin zu einer nachhaltigeren Gesellschaft her. Seine Idee der Wasserstoffrevolution von unten wurde durch das H2-Well Team bei der Vorstellung des H2-Well Konzeptes aufgegriffen, da dies den zentralen Ansatz des Bündnisses darstellt. In fünf Arbeitsgruppen zu ausgewählten Themen diskutierten die Akteure anschließend über die Entwicklung und die Umsetzung einer grünen, dezentral organisierten Wasserstoffwirtschaft. Die Veranstaltung ist auf eine große Resonanz gestoßen, was durch vielfältige Presseberichte bestätigt wird. In sämtlichen Arbeitsgruppen haben die Teilnehmer bekräftigt, etwas gemeinsam vor Ort bewegen zu wollen. Die Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen lieferten das Grundgerüst für die weitere Arbeit des gesamten Bündnisses.